Liebe Leute!
Das Getreide ist nach einer langen regenreichen Erntezeit seit der ersten Augusthälfte abgeerntet. Für Mais und Zuckerrüben war der Niederschlag im Juli extrem wichtig und höchst notwendig.
Die Vorbereitungen für die Zuckerrübenernte laufen... fakt ist, dass dem Anbau der süßen Frucht immer mehr Stolpersteine im Weg sind. Von der fehlenden Beize und damit einhergehenden Aufgangsproblemen zu Beginn des Rübenjahres habe ich schon öfters hier berichtet. Im März war zu erfahren, dass die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf stillgelegt wird. Neben den vielen Arbeitsplätzen war meine Vermutung ganz richtig, dass auch der Wind für die Rübenbauern rauer wird. Mehr dazu später. Unsere Rüben entwickelten sich mittelmäßig, weil sie lückenhaft standen und sich ungleichmäßig präsentierten. Der Regen hat ihnen jetzt laufend geholfen.
Die Konzentration der Verarbeitung durch die Firma Agrana auf einem Standort in Tulln bringt wesentliche Änderungen/Nachteile für uns Bauern mit sich. Die anfangs versicherte Beibehaltung des Status Quo beim Übernahmesystem auf den Rübenplätzen bröckelt mehr und mehr weg. Aufgrund der großen Erntemengen für eine Fabrik (statt zwei) wird die Ernte bestimmt in den Dezember hinein dauern. Der Lageraufbau auf den Rübenplätzen soll sehr spät beginnen, so der Wunsch von Agrana. Dadurch wird sich auch die Ernte weit nach hinten verschieben.
Das ursprüngliche Ziel von uns Rübenbauern war, dass die Rübenernte bis spätestens Mitte November abgeschlossen sein
kann, um den schwierigen Witterungsverhältnissen im Herbst und der
nachhaltigen Bodenschonung Rechnung zu tragen und die Rüben schonend
und gesichert auf die Rübenlagerplätze zur Lagerung bringen zu können.
Der Weltmarktpreis für Zucker ist momentan sehr niedrig, daher sind auch für viele am Zuckerrübenanbau Beteiligten gerade karges Brot statt fette Gewinne zu verzeichnen.
Es bleibt spannend wie das alles aus/weitergehen wird/soll.
Auszug aus dem Newsletter der Rübenbauernorganisation vom 11. Juli 2025:
Neues Freihandelsabkommen mit der Ukraine geplant |
Erst im letzten
Newsletter Mitte Juni 2025 haben wir uns darüber gefreut, dass das
bisherige Freihandelsabkommen mit der Ukraine nicht mehr verlängert und
auf jenes Niveau wie vor dem Krieg auf 20.070 Tonnen zurückgenommen
wurde. Deshalb wurden wir mit dem neuen Vorschlag der Europäischen
Kommission völlig überrascht, der eine Ausweitung auf jährlich 100.000
Tonnen Weißzucker vorsieht. Wir betrachten dies als eine Provokation
gegenüber allen österreichischen Rübenbäuerinnen und Rübenbauern, denn
durch die völlig überzogenen Regelungen der letzten Jahre wurde ein
Preisverfall ausgelöst, der bereits existenzielle Verluste auslöste, die
uns mit der Rübenendabrechnung präsentiert wurden.
Es wurde
zwar im Vorfeld bekannt, dass die EU-Kommission mit der Ukraine das
bestehende Freihandelsabkommen weiterverhandelt und möglicherweise auch
die bestehenden Zollfreimengen geringfügig angehoben werden, jedoch
wurde dies dahingehend kommuniziert, dass besonders bei sensiblen
Produkten, wie Zucker, äußerst behutsam vorgegangen werden wird. Das
aktuelle Ergebnis bedeutet aber eine massive Erhöhung der Zollfreimenge
um 500% gegenüber früher. Bei anderen landwirtschaftlichen Produkten
liegt die Erhöhung im Bereich von 20-30%.
Die Rüben- und
Zuckerwirtschaft in Europa reagiert ständig mit Flächenrücknahmen auf
Marktverwerfungen, wie sie beispielsweise durch das Ukraine-Abkommen
hervorgerufen wurden. All diese Anstrengungen der Branche werden aber
durch immer neue Freihandelsabkommen zunichte gemacht. Das nächste
Freihandelsabkommen, das im Raum steht, ist das Mercosur-Abkommen, das
uns weitere knapp 200.000 Tonnen zollfreien Zucker in die EU bescheren
wird. Diese Menge entspricht jener, die eine durchschnittliche
europäische Zuckerfabrik jährlich produziert. Aktuell werden auch
Freihandelsabkommen mit Indien und Thailand verhandelt. Details dazu
sind uns noch nicht bekannt.
Wir werden jedenfalls nicht müde
werden, die negativen Folgen der Freihandelsabkommen für uns Rübenbauern
bei den Verantwortlichen zu deponieren. Es geht dabei nicht nur um die
Interessen der Rübenbauern, sondern auch um den Erhalt der
Versorgungssicherheit mit heimischen Produkten für die gesamte
Bevölkerung.
Fest steht jedenfalls, dass dieser nun vorliegende
Vorschlag für das Ukraine-Freihandelsabkommen keinem ukrainischen
Kleinbauern etwas bringen wird. Die Profiteure sind die großen
Agrarholdings der Ukraine. Die drei größten davon bewirtschaften mehr
Ackerfläche als Österreichs Bäuerinnen und Bauern zusammen!
Uns mit diesen Agrarstrukturen in den Wettbewerb zu stellen, ist unfair und muss entschieden zurückgewiesen werden!
Als Bauer bin ich mittlerweile an globale Preisschwankungen gewöhnt, schwierig ist es aber damit zu wirtschaften. Vor Jahrzehnten galt der Spruch: "Die Rübe zahlt alles!" Das ist jetzt schlichtweg falsch.
